Die Konsumlust sollte er wieder anregen, der jüngste verkaufsoffene Sonntag in Braunschweigs Innenstadt – allen Verfechtern der Sonntagsruhe zum Trotz. Kritik an derart erweiterten Ladenöffnungszeiten hagelte es in der Vergangenheit auch von der Kirche. Gleichwohl lud die Magnigemeinde am Sonntag zum abendlichen "Magni Winterwandel" in ihre Kirche ein – und zwar ausdrücklich "im Rahmen des Wochenendes Feuer & Eis". Unterstützen Sie damit nicht die Kommerzialisierung des Sonntags, Herr Böger?, fragte Redakteurin Bettina Thoenes den Pastor der evangelischen Kirchgemeinde St. Magni, Henning Böger.
Sie bieten in der Magnikirche am verkaufsoffenen Sonntag ein weiteres Event: Musik und Kerzenschein. Machen Sie sich dadurch nicht mit dem Kommerz gemein?
Das sehe ich anders. Wir haben in der Magnikirche kein "Event" veranstaltet. Wir versuchen vielmehr, im Magniviertel gemeinsam mit anderen kulturelles Leben zu pflegen. Es gab ja am Sonntagnachmittag auf dem Magnikirchplatz ein schönes Kulturprogramm. Daran beteiligen wir uns als Kirche gern.
Warum haben Sie keinen anderen Sonntag gewählt?
Weil an diesem Sonntag viele Menschen in der Innenstadt unterwegs sind und auch durch das Magniviertel gehen. Wir haben ihnen die Möglichkeit geboten, in unsere Kirche einzukehren.
Und sind damit Teil des Sonntagsprogramms "Feuer & Eis".
Ja, aber wir setzen einen anderen Akzent: Bewusst haben wir erst um 18 Uhr, also außerhalb der Ladenöffnungszeiten, in die Kirche eingeladen, damit die Besucher den sakralen Raum und die Musik erleben können. Unsere Idee war, ein Kontrastprogramm zu gestalten: Wir haben die Kirche mit Kerzen illuminiert. Orgelmusik wurde gespielt. Die Menschen konnten innehalten und sich entschleunigen, bevor sie sich auf den Heimweg machten. Mit Konsum und Kaufrausch hat das nichts zu tun, wohl aber mit Genießen.
Also nutzen Sie den verkaufsoffenen Sonntag, um für die Kirche zu werben.
Wir wollen zeigen: Auch wir sind Sonntagsanbieter. Wir halten den Menschen jeden Sonntag ein verlässliches Angebot vor. Die Magnikirche ist ohnehin täglich für Besucher geöffnet. Der Kirchenbesuch bei Kerzenschein und Musik wie am Sonntag ist ein liebevoll gestaltetes Angebot auch für die Menschen, die eher nicht zum Gottesdienst gehen.
Und ist das Konzept aufgegangen?
Wir haben die Besucher nicht gezählt, aber es waren sicher 250 bis 300. Die Resonanz war positiv. Viele haben gesagt: Das tut gut.
Quelle: Braunschweiger Zeitung
Nachrichten Ansicht
News
21.02.2012
Kategorie: Gemeinde

