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26.10.2018 Kategorie: Gemeinde

Magni geschichtlich

Joachim Heinrich Campe, Ahnherr von Vieweg- und Westermann-Verlag

Der Verleger Joachim Heinrich Campe war auch Pädagoge, Schriftsteller und Sprachforscher zur Zeit der Aufklärung. Er wurde 1746 auf einem Rittergut in Deensen (Landkreis Holzminden) geboren, zu dem auch ein Mausoleum der Familie von Campe gehört. Sein Vater hatte bewusst auf den Adelstitel verzichtet. Gestorben ist Campe 1818 in Braunschweig, wo er gut dreißig Jahre seines Lebens verbrachte, und wo sein 200ster Todestag in diesem Jahr am 22. Oktober gewürdigt wird.
Campe schloss das Studium der evangelischen Theologie in Helmstedt und Halle mit einer philosophischen Arbeit ab und ging als Hauslehrer von Alexander und Wilhelm von Humboldt nach Tegel. Im Haus der Familie Humboldt lernte er Ideen und Personen der Aufklärung kennen.
Nach einer Stelle als Prediger in Potsdam wurde er Erzieher an der Reformschule „Philanthropinum“ in Dessau und gründete dann in Hamburg eine eigene Erziehungsanstalt. Hier pflegte er Kontakte zu den Aufklärern Friedrich Gottlieb Klopstock, Matthias Claudius und Gotthold Ephraim Lessing. Mit seinen Jugendromanen Robinson der Jüngere, eine Übersetzung und Bearbeitung des Robinson Crusoe von Daniel Defoe, und Die Entdeckung von Amerika schuf Campe den Typus des Jugendbuchs und erntete großen Erfolg. Die Tantiemen machten ihn finanziell unabhängig.
1786 folgte er dem Ruf von Herzog Carl Wilhelm Ferdinand nach Braunschweig, um das Schulwesen im Herzogtum zu reformieren. Als dies Projekt am Widerstand der Kirchen- und Schulbehörden scheiterte, gründete Campe mit Unterstützung des Herzogs die „Braunschweigische Schulbuchhandlung“.
Er sympathisierte mit der französischen Revolution und reiste 1789 mit Wilhelm von Humboldt nach Paris. Darauf hin erhielt er neben Schiller, Klopstock, Pestalozzi, George Washington und sechzehn anderen Ausländern den Ehrenbürgerbrief der Republik Frankreich.
Campes einzige Tochter Charlotte heiratete den Verleger Friedrich Vieweg, der 1799 von Berlin nach Braunschweig übersiedelte, die Schulbuchhandlung übernahm und das „Vieweg-Haus“ am Burgplatz bauen ließ. Dessen Enkelin Blanca Vieweg heiratete später den Verlagsbuchhändler Georg Westermann, dessen Verlag bis heute in Braunschweig vertreten ist.
Campe gab schon vor Konrad Duden ein großes Wörterbuch der deutschen Sprache heraus und entwickelte für über zehntausend Fremdwörter Verdeutschungen, von denen viele in den allgemeinen Sprachgebrauch aufgenommen wurden.
1793 ließ Campe einen Stein für das Grab von Lessing anfertigen, den man 1781 auf dem Magnifriedhof beerdigt hatte, ohne einen Grabstein zu setzen. Erst 1874 wurde das heute vorhandene Grabmal aufgestellt.
Ende des 18. Jahrhunderts kaufte Campe Park und Wohnhaus auf dem Gelände, das heute nach seinem Schwiegersohn „Viewegs Garten“ heißt. Die von ihm hier angelegte Familiengrabstätte verlegte man Ende der 1950er Jahre wegen der Erschließung des neuen Hauptbahnhofs auf den benachbarten Magnifriedhof und riss die Villa ab. An Joachim Heinrich Campe erinnern heute die Campe- und die Kleine Campestraße im Gemeindequartier von St. Magni.

Joachim Heinrich Campe, Ahnherr von Vieweg- und Westermann-Verlag

Grabstätte mit Campe-Gedenkstein auf dem Magni-Friedhof

Kartenauschnitt Braunschweig 1835

Beitrag von Wibke Ihlenburg-Dreessen, Braunschweig Journal